Solingen sechs Monate nach dem Messeranschlag: Schock sitzt tief

Stand: 27.02.2025, 07:53 Uhr

Viele Solinger wollen auch ein halbes Jahr nach dem tödlichen Messeranschlag noch über ihre Erlebnisse sprechen. Das wurde im WDR Lokalzeit-Stadtgespräch deutlich. Außerdem wurde über Integration in der Stadt diskutiert.

Von Julian Nothen

Wie haben die Solinger den Anschlag im August vergangenen Jahres erlebt? Und was ist in der Zeit danach passiert? Das war Thema beim Lokalzeit-Stadtgespräch, das am Mittwochabend im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen stattgefunden hat.

Sowohl bei den Podiumsgästen, als auch im Publikum wurde immer wieder deutlich: Die Menschen haben auch ein halbes Jahr nach dem Anschlag, bei dem drei Menschen starben und acht teils schwer verletzt wurden, das Bedürfnis zu reden. So zum Beispiel Besucherin Claudia Salzmann aus Solingen, die immer wieder merkt, wie nah ihr das Attentat noch geht.

„Ich bin überrascht, dass es mich noch so stark bewegt. Es ist noch sehr präsent.“ Claudia Salzmann
Besucherin des Stadtgesprächs
Stadtgesprächsbesucher Joachim Hiller erzählt, wie er den Anschlag erlebt hat. | Bildquelle: WDR / Nothen

Ähnlich empfindet es auch der Solinger Joachim Hiller. Er ist in der Solinger Musikszene aktiv und wollte beim Stadtgespräch noch einmal über den Anschlag sprechen: „Ich merke jetzt auch: Ich dachte ich wäre so ein bisschen drüber hinweg. Ätzend.“

Diskussion über Integration

Dass der Messeranschlag für viele noch immer so präsent ist, liegt auch an der danach begonnen Diskussion über Integration. Die fand auch in Solingen statt. Wenn es nach dem Vorsitzenden des Integrationsrats Hassan Firouzkhah geht, aber nicht ausführlich genug:

„Wir haben die letzten sechs Monate kaum Zeit gehabt in unserer Stadt zu dem Thema ins Gespräch zu kommen mit den Menschen – um zu wissen, wie können wir uns in Zukunft aufstellen.“ Hassan Firouzkhah
Integrationsrat Solingen

Hassan Firouzkhah sprach sich für mehr Dialog und mehr Miteinander aus. Eine Sichtweise, die auch die Notfallseelsorgerin Simone Henn-Pausch unterstützt: „Nur zusammen und gemeinsam können wir in die Zukunft gehen.“

Rahmenbedingungen auch durch Haushaltslage geprägt

Auf dem Podium diskutierten Hassan Firouzkhah vom Integrationsrat, Notfallseelsorgerin Simone Henn-Pausch und Ordnungsdezernent Jan Welzel | Bildquelle: WDR / Nothen

Auch Solingens Ordnungsdezernent Jan Welzel spricht sich für gemeinsame Gespräche aus. Die Stadt hatte nach dem Anschlag z.B. ein Gesprächsangebot für Betroffene eingerichtet „Natürlich können wir für alles noch mehr machen. Aber ich bin auch hier als derjenige der sagt, was geht und wo Grenzen sind.“

Diese Grenzen hätten vor allem finanzielle Gründe. So würde etwa die Flüchtlingssozialarbeit nur bedingt bezuschusst. Trotz dieser Gegebenheiten wollen Gesprächspartner und Besucher auch künftig im Dialog bleiben. Dass dafür Bedarf besteht, das haben beim Stadtgespräch noch einmal alle gespürt.

Unsere Quellen

  • Reporter vor Ort
  • Podiumsgäste
  • Publikum

Solingen sechs Monate nach dem Messeranschlag: Schock sitzt tief WDR Studios NRW 27.02.2025 00:27 Min. Verfügbar bis 27.02.2027 WDR Online

Das WDR Lokalzeit - Stadtgespräch wurde am 26.02. von 20:03 - 21:00 Uhr aufgezeichnet und am 27.02. von 20:03 - 21:00 Uhr auf WDR 5 gesendet. Außerdem im WDR Fernsehen in der Lokalzeit Bergisches Land am 27.02. um 19.30 Uhr.