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Im Namen der "Ehre": Der Mord an Hatun Sürücü

WDR Zeitzeichen 07.02.2025 14:40 Min. Verfügbar bis 08.02.2099 WDR 5

Weil sie selbstbestimmt leben wollte, wurde Hatun Sürücü am 7.2.2005 von ihrem Bruder erschossen. Der "Ehrenmord" prägt die Debatte um Gewalt an Frauen und Migration bis heute.

Am 7. Februar 2005 wird Hatun Aynur Sürücü auf offener Straße in Berlin mit drei Kopfschüssen von ihrem eigenen Bruder hingerichtet. Sie ist 23 Jahre alt und Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Dieser "Ehrenmord" löst eine Debatte über Zwangsehen und Werte in muslimischen Familien aus. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Seyran Ateş, Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin ***

In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • von den letzten Minuten im Leben Hatun Sürücüs,
  • wie Hatuns Hilferufe bei Polizei und Jugendamt verhallen,
  • warum der Begriff "Ehrenmord" eigentlich irreführend ist,
  • dass Gewalt im Namen der Ehre nicht nur Frauen betrifft.

Hatun Aynur Sürücü ist eine junge Frau, die selbstbewusst über ihr Leben bestimmen will und nach einer erzwungenen Heirat mit den Moralvorstellungen ihrer Familie bricht. Sie sucht sich und ihrem kleinen Sohn eine eigene Wohnung, macht eine Lehre, geht aus und lernt neue Freunde kennen.

Diesen Drang nach Freiheit bezahlt die Deutsch-Kurdin mit ihrem Leben: Am 7. Februar 2005 wird Aynur mitten in Berlin von ihrem Bruder auf offener Straße erschossen. Die Tat ist Deutschlands bekanntester "Ehrenmord" und stößt eine Debatte über Parallelgesellschaften an.

Die beiden mitverdächtigen älteren Brüder setzen sich in die Türkei ab, wo sie 2015 wegen Anstiftung zum Mord angeklagt, letztlich aber freigesprochen, werden. Von Reue oder Einsicht ist bei Aynurs Familie auch Jahre später nichts zu spüren. Auf die Frage, ob er für seine Schwester bete, antwortet ihr ältester Bruder kalt: "Natürlich bete ich für sie. Dass Allah ihr vergibt."

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Seyran Ateş, Berliner Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin
  • Esma Çakir-Ceylan, Fachanwältin für Strafrecht
  • Jan Ilhan Kizilhan, Psychologe; Professor für transkulturelle Gesundheitsforschung, Stuttgart
  • Esma Çakir-Ceylan: Gewalt im Namen der Ehre. Eine Untersuchung über Gewalttaten in Deutschland und der Türkei, 2011
  • Jan Ilhan Kizilhan: Gewalt im Namen der Ehre. Die Psychologie hinter Ehre, Sexualität, Religion und Terror, 2024
  • Matthias Deiß und Jo Goll: Ehrenmord. Ein deutsches Schicksal, 2011

Weiterführende Links:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Carolin Rückl / Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann