
Kinderheim aus Mariupol seit drei Jahren im Kreis Lippe
Stand: 11.03.2025, 09:56 Uhr
Vor genau drei Jahren flüchtete ein ganzes Kinderheim aus der Ukraine. Durch eine private Initiative kamen die rund 50 Menschen nach Stapelage in den Kreis Lippe. Dort haben sich die Kinder und Jugendlichen inzwischen gut eingelebt.
Von Jan-Ole Niermann
"Das ist wie nach Hause kommen", sagt David Albrecht und baut weiter mit Dariya und Kyrill an der Spielzeug-Rennbahn, "die Kinder kommen einem entgegen, jeder hat Fragen". David Albrecht besucht das Kinderheim in Stapelage regelmäßig und gerne.
Kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine half er mit anderen Freiwilligen, die gut 20 Kinder und ihre Betreuerinnen und Betreuer aus der Ukraine in den Kreis Lippe zu holen. Das ist drei Jahre her und verbindet bis heute: "Damals hatte ich 300-400 Telefonate am Tag, der Weg hierhin war wirklich hart!“
Große Hilfe nach der Flucht

Hier leben die Kinder aus Mariopol inzwischen
Zwei Wochen dauerte die Flucht im März 2022: Die Kinder und ihre Betreuerinnen kommen über Rumänien und dem Mannschaftsbus eines Fußballvereins nach Stapelage. "Das war eine Riesenhilfe auch von der Bevölkerung hier, das war schon krass", erinnert sich David Albrecht. Die Kinder und Jugendlichen ziehen in leerstehende Räume einer Kirchengemeinde.
Olga Artjuk ist die Leiterin des Teams und hoffte damals zunächst auf einen kurzen Aufenthalt in Deutschland. Sie zeigt sogar noch die Schlüssel von ihrem ehemaligen Büro in Mariupol: "Als ich gefahren bin, habe ich gesagt, dass ich sie nicht abgebe, weil ich in einem Monat zurück sein werde."
Kinder haben sich gut eingelebt
In den drei Jahren hat sich die Gruppe eingelebt, dabei hilft auch ein klar strukturierter Alltag: Die Kinder besuchen verschiedene Schulen und haben Deutsch gelernt. Mittags wird gemeinsam gebetet und gegessen, danach spielen sie gemeinsam, erledigen Hausaufgaben oder gehen zum Fußballtraining.
Familienhilfe hat Kinderheim übernommen
Seit November 2022 gehört das Kinderheim zur August-Hermann-Francke-Familienhilfe, 13 ukrainische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden fest angestellt. Gemeinsam mit deutschen Kolleginnen versuchen sie die Kinder zu unterstützen:
Wir hoffen, dass die Kinder ihren Weg gehen, dass sie lernen, arbeiten und erwachsen werden. Olga Artjuk, Leiterin des Kinderheims in Mariupol
Dabei versucht auch David Albrecht zu helfen, zum Beispiel indem er Praktikumsplätze vermittelt. Eine der älteren Jugendlichen macht zurzeit einen Freiwilligendienst, ein anderer hat schon eine Ausbildung in einer Autowerkstatt begonnen. "Man muss ein bisschen unterstützten und den Weg weisen", sagt Albrecht optimistisch, "den Rest machen die selber, das sind ja alles schlaue Kerlchen hier!"
Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Webseite der August-Hermann-Francke-Familienhilfe
Über das Thema berichten wir auch in der WDR Lokalzeit OWL und im Hörfunk auf WDR2.