Die Zecken sind los Aktuelle Stunde 05.04.2025 17:06 Min. UT Verfügbar bis 05.04.2027 WDR Von Claudia Becker

Zeckensaison startet: Deutlich mehr FSME-Fälle und neue Risikogebiete

Stand: 05.04.2025, 17:16 Uhr

Je höher die Temperaturen, desto aktiver sind Zecken. Die Spinnentiere können Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen. 2025 sind neue Risikogebiete dazugekommen.

Obwohl sie winzig klein sind, gelten Zecken als die gefährlichsten Wildtiere in Deutschlands Wäldern. Das liegt daran, dass Zecken mit ihrem Stich Bakterien und Viren übertragen und somit Krankheiten oder Entzündungen wie FSME auslösen können.

FSME-Viren werden durch Zecken übertragen. Sie können Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarks auslösen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland im vergangenen Jahr 686 Fälle gemeldet worden - die zweithöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Im Jahr 2020 waren 718 Fälle verzeichnet worden. Bei 99 Prozent der Betroffenen fehlte den Angaben zufolge ein Impfschutz.

Gesamte Grafik anzeigen

Zecken sind ab Temperaturen von etwa sechs Grad aktiv. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine FSME-Impfung für Menschen in Risikogebieten, die Kontakt zu Zecken haben könnten.

Risikogebiete gibt es vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg. Dazu vereinzelt in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und in NRW. 

Gesamte Grafik anzeigen

Das Risiko einer Infektion ist aber nicht sehr hoch. Denn nicht jede Zecke überträgt die Krankheit. In den jeweiligen Risikogebieten tragen laut RKI nur zwischen 0,1 und 5 Prozent der Zecken FSME-Viren mit sich. Auf kleineren Räumen können diese Zahlen stark schwanken.

Borreliose durch Zecken

Neben FSME übertragen Zecken auch die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose. Borreliose kommt in ganz Deutschland vor, es gibt aber keine bundesweite Meldepflicht. Deswegen gibt es keine belastbaren Zahlen, wie viele Borreliose-Infektionen es pro Jahr in Deutschland gibt. Das RKI schätzt, dass es mindestens 80.000 bis 120.000 Fällen bundesweit pro Jahr sind.

Unbehandelt kann Borreliose zu Entzündungen der Gelenke, des Herzmuskels und des Nervensystems führen. Bisher gibt es keine Impfung. Je später Borreliose behandelt wird, desto größer ist das Risiko für Spätfolgen. 

Im Zweifel sollte man immer einen Arzt aufsuchen. Die meisten der Spätfolgen können zwar auch noch Monate später durch Antibiotika gelindert oder geheilt werden – aber in seltenen Fällen gelingt das nicht.

Wie ihr euch schützen könnt:

  • In Feld, Wald und Wiesen am besten geschlossene Schuhe, Socken, lange Hosen und langärmelige Oberteile tragen.
  •  Antizeckenmittel schützen nur für etwa zwei Stunden. Also: Abends gesamten Körper nach Zecken absuchen.
  • Zecke mit Pinzette oder Zeckenzange (gibt es in Drogeriemärkten oder Apotheken) gerade herausziehen, nicht drehen (kein Öl verwenden).
  • Zecke zügig entfernen.
  • Je länger man die Zecke durch Drücken und Quetschen stresst, desto größer die Gefahr, dass mögliche Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden.
  • Ist ein Teil des Tieres in der Haut stecken geblieben, stößt der menschliche Körper den Rest meist von selbst ab.
  • Zecken beißen nicht, sie stechen mit einem Stech- und Saugapparat: Stichwunde gut desinfizieren.
  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine FSME-Impfung für Menschen in Risikogebieten oder solchen, die durch FSME beruflich gefährdet sind, etwa Beschäftigte in der Forst- oder Landwirtschaft.

Übrigens: Das Absuchen des gesamten Körpers nach Zecken, wenn man draußen war, ist vor allem als Schutz vor einer Borrelien-Infektion sinnvoll. Bei einer FSME-infizierten Zecke werden Viren schon nach kurzer Zeit übertragen. Eine Übertragung der Borrelien dauert deutlich länger.

Über dieses Thema berichten wir am 05.04.2025 auch im WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.

Unsere Quellen: