"Mein Kopf, mein Körper und mein Herz sehnen sich nach Veränderung", schrieb die 28 Jahre alte Ravensburgerin, die seit Oktober 2016 am Bundesstützpunkt in Köln trainiert und erst am vergangenen Samstag zur "Kölner Sportlerin des Jahres" gekürt wurde, bei Instagram.
Wagner hatte bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris im vergangenen Sommer gemeinsam mit Basketball-Star Dennis Schröder die deutsche Fahne getragen. In der französischen Hauptstadt hatte sie die erhoffte Medaille verpasst. Ihren Bronze-Kampf in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm verlor sie gegen Ma Zhenzhao aus China.
"Was dieses Jahr für mich bereithält, werde ich euch Stück für Stück verraten", erklärte Wagner. "Es warten nicht nur Kämpfe, sondern auch tolle Projekte, die ich mit euch teilen werde." Mehr zu ihrer Zukunft gab die Weltmeisterin von 2021 und 2024 noch nicht bekannt.
Neue Priorität: Das Leben nach dem Sport
Aber die Familie soll wieder im Mittelpunkt stehen, ihr Studium im Hotel- und Tourismusmanagement nimmt sie nach fünf Jahren wieder auf. "Es ist mir wichtig, nach dem Sport die Priorität auf das Leben danach zu legen und es in die Arbeitswelt zu schaffen", sagt sie. Eine Rolle als Trainerin schließt Wagner aus, dem Sport will sie aber "auf eine gewisse Art und Weise" erhalten bleiben.
Welchen Moment sie in ihrer Karriere als den schönsten bezeichnen würde - darauf möchte sich die 28-Jährige nicht festlegen. Die beiden Weltmeistertitel? Die olympischen Bronzemedaillen? Oder doch die große Ehre, die deutsche Fahne in Paris getragen zu haben? "Diesen einen Moment gibt es nicht, es sind mehrere."
Offener Umgang mit Depressionen
Anna-Maria Wagner gilt seit langem auch über den Sport hinaus als Vorbild. Neben den vielen Erfolgen brachte ihr auch der offene Umgang mit ihren mentalen Problemen viel Respekt ein.
Nach den Sommerspielen in Japan vor knapp vier Jahren war sie in ein psychisches Loch gefallen, die Diagnose: Post-Olympia-Depression. Bemerkenswert offen sprach Wagner anschließend über die "sehr, sehr schwierige Zeit. Es war nicht einfach, sich da rauszukämpfen". Corona erschwerte die Situation zusätzlich. Wagner dachte über ein Karriereende nach.
Auch nach der erhofften, aber verpassten Medaille in Paris folgte eine Wettkampfpause. Anfang Januar stand sie wieder auf der Matte, doch irgendwas war anders. Wagner merkte, "dass ich nicht mehr so brenne. Dann habe ich die Entscheidung für mich getroffen und fühle mich sehr gut damit". Gleichzeitig freue sie sich auf dieses letzte Jahr, "weil es eben mein letztes ist", so Wagner: "Das hat mir irgendwie nochmal einen Energieschub gegeben."
Ob sie dieser bis zur EM Ende des Monats oder zur WM im Juni führt, ließ sie offen: "Mein Kopf, mein Körper lenkt mich da hin, wo es hingeht und wo es hingehen soll." In der Bundesliga kämpft sie weiterhin für die TSG Backnang, das Bundesliga-Finale in Wiesbaden am 25. Oktober wird ihr letzter Wettkampf sein.
Unsere Quellen:
- Sport-Informations-Dienst
- Deutsche Presse-Agentur