Trotz aller Glückwünsche für die erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten: Den Status als Abgeordnete oder Abgeordneter erhalten die Gewählten erst mit der Konstituierung des 21. Deutschen Bundestages. Die erste Sitzung des neu gewählten Parlaments muss laut Grundgesetz spätestens 30 Tage nach der Bundestagswahl erfolgen, also bis einschließlich 25. März 2025.
Insgesamt ziehen 630 Abgeordnete in den neuen Bundestag ein. Nur 230 von ihnen sind neu im Parlament. Die anderen 400 waren bereits in früheren Legislaturperioden dabei. Der "typische" Parlamentarier ist dabei männlich, heißt mit Vornamen Stefan, Stephan oder Steffen, ist durchschnittlich 47 Jahre alt und entweder als Jurist oder als Berufspolitiker tätig.
Wie ist der Frauenanteil im neu gewählten Bundestag? Wie alt sind die Volksvertreter? Welche Berufsgruppen sind besonders häufig vertreten? Ein Überblick in Grafiken.
Wie viele Frauen sind im Bundestag?
Der neue Bundestag wird eine niedrigere Frauenquote haben als in der vergangenen Legislaturperiode. Mit der Neuverteilung der Mandate gibt es insgesamt 204 weibliche Abgeordnete und damit ein Anteil von nur 32,4 Prozent, wie aus Daten der Bundeswahlleiterin hervorgeht. Auch bisher waren Frauen im Parlament mit zuletzt rund 35 Prozent deutlich unterrepräsentiert. In der vergangenen Legislatur waren es noch 735, davon 257 Frauen und 478 Männer. Grund für die Verkleinerung des Bundestags ist eine Wahlrechtsreform.
Besonders deutlich fällt die männliche Übermacht bei AfD und Union aus. Bei der AfD sind nur rund 12 Prozent der Parlamentarier weiblich, in der Union sind es 23 Prozent. Bei Linken und Grünen sind mit jeweils rund 56 und 61 Prozent mehr Frauen als Männer vertreten. Bei der SPD fällt das Geschlechterverhältnis mit rund 42 zu 58 Prozent nur leicht zugunsten der Männer aus.
Wie alt sind die Parlamentarier?
Im Durchschnitt sind die Abgeordneten rund 47 Jahre alt. Der größte Teil von ihnen wurde in den 1970er-Jahren geboren. Das Durchschnittsalter im Bundestag bleibt damit auf dem Niveau von 2021.
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Jungspund in Berlin: Luke Hoss
Am häufigsten ist die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen mit knapp einem Drittel (30 Prozent) vertreten. Zwischen 40 und 49 Jahren sind rund 28 Prozent. Die Altersgruppe der unter 30-Jährigen ist unterrepräsentiert und macht nur rund 5 Prozent aus. Der älteste Parlamentarier ist dabei Alexander Gauland (AfD) mit 84 Jahren, der 23-Jährige Luke Hoss (Die Linke) der jüngste.
Welche Bildungsabschlüsse sind häufig anzutreffen?
Daten aus den vergangenen Legislaturperioden zeigen, dass der überwiegende Teil der Abgeordneten einen akademischen Hintergrund hat. Der Anteil lag laut dem Mainzer Politikwissenschaftler Armin Schäfer dabei stets bei 85 bis 90 Prozent. Ob sich daran etwas geändert hat, geht aus den aktuellen Informationen der Bundeswahlleiterin nicht hervor.
Allerdings deutet die hohe Zahl der akademischen Titel darauf hin, dass weiterhin Nicht-Akademiker stark unterrepräsentiert sind: Von 630 Parlamentariern sind demnach 102 promoviert und einer sogar habilitiert. Möglicherweise liegt die Zahl der Doktortitel sogar noch höher - nicht alle Promovierten führen ihren Titel auch in Alltag und Beruf.
Welche Berufe üben die Parlamentarier aus?
Die meisten Abgeordnete sind nach Angaben der Bundeswahlleiterin im Bereich "Unternehmensorganisation, Recht, Verwaltung" tätig. Von den 630 Abgeordneten trifft dies auf 459 zu. Es folgen Gesundheits-, Lehr-, Sozial- und Erziehungsberufe mit 45 und der Bereich "Sprache, Literatur, Gesellschaft, Wirtschaft, Medien, Kultur" mit 44 Personen. Nur 16 kommen aus dem Bereich "Kaufmännische Dienstleistungen, Vertrieb, Tourismus" und aus den "sonstigen" Berufen 15. Zu den "Sonstigen" zählen zum Beispiel Studentinnen und Studenten, Auszubildende sowie Rentnerinnen und Rentner.
Interessant wird es, wenn man die Berufsbezeichnungen betrachtet, die Parlamentarier selbst angegeben haben. Die meisten, insgesamt 164, bezeichnen sich demnach als "Mitglied des Deutschen Bundestages" oder eines Landtags - also als Berufspolitiker, die keiner anderen Tätigkeit nachgehen. In diese Kategorie fällt auch der scheidende Grünen-Chef Robert Habeck, der als Beruf schlicht "Politiker" angibt.
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Robert Habeck - "Politiker"
Stark vertreten sind auch juristische Berufe wie Rechtanwälte und Richter mit insgesamt 100 Personen. Mit 25 Personen sind auch Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler im Parlament häufig anzutreffen, ebenso die Lehrer und Universitätsdozenten mit 21 Vertretern.
Arbeiter und Handwerker trifft man im Bundestag hingegen relativ selten. Auf der langen Liste der Abgeordneten finden sich nur zwei Metzger, zwei Dachdecker und ein Stahlbauschlosser.
Wie heißen die Abgeordneten mit Vornamen?
Die häufigsten Vornamen der Abgeordneten zeigen, dass ein Großteil von ihnen in den 1970er-Jahren geboren wurde. Auf Platz eins steht Stefan in verschiedenen Schreibweisen (20), dicht gefolgt von Christian und Christopher (17). Der häufigste Frauenname mit acht Nennungen ist Anna, Anne oder Annalena.
Unsere Quellen:
- Bundeswahlleiterin
- Deutsche Presse Agentur
- Evangelischer Pressedienst
- Deutschlandfunk