nah dran Adolescence Cover

"Adolescence" - Warum die Netflix-Serie eine Debatte auslöst

Stand: 04.04.2025, 18:50 Uhr

Eine neue Netflix-Serie greift Gewalt und toxische Männlichkeitsbilder unter Jugendlichen auf – und bricht damit Streaming-Rekorde.

Die Serie "Adolescence" thematisiert nicht nur das Erwachsenwerden und die damit verbundene Suche nach der eigenen Identität. Es geht um toxische Männlichkeit und Misogynie, also Frauenhass, der online für junge Männer in anschlussfähiger Form zu finden ist.

"Incels": Radikaler Frauenhass

Dabei spielen etwa der frauenfeindliche Influencer Andrew Tate und die radikale Incel-Bewegung eine Rolle. "Incel" (involuntary celibate) bezieht sich auf Männer, die unfreiwillig ohne sexuelle Beziehungen leben und Frauen dafür verantwortlich machen. Ihr Hass auf Frauen wird regelmäßig in Manifesten von Attentätern wie dem Mörder von Christchurch oder dem Attentäter von Halle 2019 zitiert.

"Adolescence" deckt Codes und Symbole der Incel-Ideologie auf und zeigt die Mechanismen digitaler Gewalt, die in der Serie schließlich auch in physische Gewalt übergeht: Ein 13-jähriger Schüler wird des Mordes an einer Mitschülerin beschuldigt.

Streaming im Klassenzimmer

Keine Serie wurde in Großbritannien in der ersten Woche so oft angesehen wie "Adolescence". Nun ist sie für britische Schülerinnen und Schüler kostenlos verfügbar und wird als Unterrichtsstoff diskutiert.

ARD-Korrespondentin Valerie Krall in London sagt, die Serie und das Thema organisierter Frauenhass hätten in Großbritannien einen Nerv getroffen. Nicht nur bei der Arbeit und unter Freunden sei die Serie Thema – auch Jugendliche berichteten ihr, dass "Adolescence" bei ihnen Debatten angestoßen habe.

die Reporterin Valerie Krall
„Also offensichtlich sind sich Kinder dieser Problematik längst bewusst und machen sich enorm viele Gedanken darüber, haben aber das Gefühl, dass ihnen sonst niemand den Raum gibt, darüber zu sprechen.“ Valerie Krall, ARD-Korrespondentin in London

Steigende Gewalt und jüngere Täter

Studien zeigen, dass immer mehr junge Männer das Gefühl haben, es sei schwieriger, ein Mann zu sein als eine Frau. Gleichzeitig nimmt Gewalt gegen Frauen in Großbritannien und Deutschland zu – sowohl in Form von Cyberstalking als auch bei physischen Angriffen und Morden. Es wird zudem deutlich, dass unter den überwiegend männlichen Tätern auch immer jüngere Straftäter sind.

In der neuen Folge von "nah dran – Die Geschichte hinter der Nachricht" sprechen wir über die Debatte um toxische Männlichkeit und die Rolle von Social Media, die die Netflix-Serie angestoßen hat, und werfen einen Blick auf die Lösungsansätze, die derzeit in Großbritannien diskutiert werden.

"Adolescence" – Warum die Serie eine Debatte auslöst I nah dran

nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht 04.04.2025 20:47 Min. Verfügbar bis 04.04.2026 WDR Online


Download

Der Podcast "nah dran"

Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.

Weitere Themen