In einer kleinen Einkaufspassage am Ende der Bochumer Innenstadt war der Club "Untergrund". Am Tag kann er schnell übersehen werden. Der Eingang ist hinter einem Rolltor versteckt. In der Nacht wird der "Vorhang" geöffnet. Über eine Treppe geht es in den "Untergrund". Ein Raum, eine Theke, ein DJ-Pult - und das seit 16 Jahren.
Doch im Februar gibt Inhaber Jens Möcking bei Instagram bekannt: "Der Untergrund schließt". Einer der Gründe: es kommen weniger Leute, die Kosten seien zu hoch. Der Club hat sich von der Corona-Pandemie nicht erholt.
Gäste verabschieden sich
Timo Grzechowiak hat elf Jahre lang im "Untergrund" in Bochum als DJ aufgelegt. Ihm fällt der Abschied schwer. Er hat beobachtet, wie sich das Ausgehverhalten in den vergangenen Jahren verändert hat.
Nach Corona kam erstmal ein Hype. Die Läden waren super voll. Dann hat sich herausgestellt, dass junge Menschen das Feiern ein bisschen "verlernt" haben - quasi eine Generation nicht nachgerückt ist. Und jetzt haben viele gar nicht mehr so das Geld, um regelmäßig feiern zu gehen. Timo Grzechowiak, DJ Stinson
Am letzten Party-Abend im "Untergrund" im März kommen viele Gäste, um sich zu verabschieden. "Hier hab ich mit 18, also vor 13 Jahren, das erste Mal gefeiert. Und dann hab ich gesagt, ich muss heute nochmal hin", sagt Louis. Für ihn ist der Club eine Institution in Bochum. Viele Studierende sind hier feiern gegangen, auch aus umliegenden Städten, wie Essen oder Dortmund.
Gründe für Schließungen
Nicht nur für die Gäste steigen die Preise, auch die Clubs zahlen mehr: für Personal, Getränke, Security, Gagen von Künstlerinnen und Künstlern oder Energiekosten. Das könne nur zum Teil auf die Eintrittspreise umgelegt werden, sagt Stephan Benn. Er betreibt das Gloria in Köln und ist im Vorstand der Liveinitiative NRW, der Verband für Clubs und Kulturveranstaltungen.
"Situation ist dramatisch"
Unter den Clubs gibt es Unterschiede - auf der einen Seite gibt es die Musikspielstätten, die auch Konzerte veranstalten und die Clubs, die ausschließlich Partys anbieten. Das FZW Dortmund bietet regelmäßig Konzerte an. Es läuft wieder ganz gut, sagt Inhaber Volker May.
Aber: "Es gibt zahlreiche Clubs, die am Existenzminimum nagen. Konzerte sind schwer zu kalkulieren. Wenn Verluste eintreten, sind die so heftig, dass sie einem das Genick brechen können". Davon spricht Lars Templin vom Musikbunker Aachen. Vor allem Partys würden nicht mehr gut laufen. Und von Konzerten allein lässt sich der Club nicht tragen.
Clubsterben? Ein schleichender Prozess
Die Verbände "Livekomm" und "Liveinitiative NRW" sagen: noch gibt es kein massenhaftes Clubsterben. Es ist eher ein schleichender Prozess. Sie warnen aber davor, dass in Zukunft immer mehr Clubs schließen werden. Jetzt brauche es neue Förderprogramme.
Clubsterben in NRW? Haben die Clubs noch eine Zukunft?. WDR Studios NRW. 03.04.2025. 04:13 Min.. Verfügbar bis 03.04.2027. WDR Online.
78 Prozent der Musikspielstätten sind laut der "LiveMusikKommission"-Erhebung in den kommenden zwölf Monaten auf staatliche Förderung angewiesen. Und es gibt Hoffnung: In den vergangenen Jahren haben auch neue Clubs eröffnet, in Köln, Wuppertal, Herford und Bochum zum Beispiel.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin
- Bundesverband der Musikspielstätten Livekomm
- Liveinitiative NRW
- Genannte Clubs und Personen
Über dieses Thema berichten wir am 03.04.2025 auch im WDR-Hörfunk: "Westblick" auf WDR 5.