25 Prozent auf Autos: Trumps Zölle und die Folgen für uns
Aktuelle Stunde . 27.03.2025. 42:47 Min.. UT. Verfügbar bis 27.03.2027. WDR. Von Marius-Antonius Brüning.
Trump erhöht Zölle auf Auto-Importe: Die Folgen für NRW
Stand: 27.03.2025, 09:35 Uhr
25 Prozent Zölle auf Autos und deren Bauteile: Sollte Donald Trump seine Drohung wahrmachen, würde das die Autoindustrie in NRW deutlich spüren. Denn in kein anderes Land importiert Deutschland mehr Autos.
Von Ingo Neumayer
Ja, es stimmt: Donald Trump lügt nachweislich, er übertreibt, er gibt an und wirkt oft schlecht informiert. Dass der 2. April tatsächlich zum "Tag der Befreiung" wird, an dem er mit Zöllen das Handelsgleichgewicht zwischen den USA und den anderen Ländern wiederherstellen will, ist also keineswegs ausgemacht. Zu oft hat der US-Präsident in den letzten Wochen seine Meinung geändert und Beschlüsse zurückgezogen, auch beim Thema Zölle. Und bis zum 2. April sind es noch sechs lange Tage.
Dennoch muss man sich auf seine Ankündigung, die Zölle auf importierte Autos und deren Bauteile um 25 Prozent anzuheben, einstellen. Denn gerade für die deutsche Auto-Industrie sind die USA der wichtigste Absatzmarkt. Laut statistischem Bundesamt wurden 2024 13,1 Prozent der deutschen Autos in die USA importiert - mehr als in jedes andere Land.
Zulieferer in NRW: Absatzrückgänge befürchtet
Bei der Autoindustrie in NRW würden sich die Zölle laut dem Industrienetzwerk durchaus bemerkbar machen. Der "Automotiveland.NRW"-Geschäftsführer Stephan Vogelskamp erwartet in den USA steigende Verbraucherpreise durch die Zollbelastung, und als Folge weitere Absatzrückgänge.
Die "sowieso schon schwachen Abrufmengen der Hersteller bei den Zulieferern" dürften "zeitnah weiter sinken", so Vogelskamps Prognose. Betroffen seien auch Kfz-Ersatzteile für Autos, die nicht in den USA gefertigt wurden. Bei einer Autoreparatur würden sich "die Rechnungen für die Verbraucher dadurch spürbar verteuern".
Wie wären Weltfirmen und spezialisierte Zulieferer betroffen?
In NRW arbeiten laut Automotiveland.NRW 200.000 Personen in der Autobranche, rund 800 Unternehmen seien der Autoindustrie zuzuordnen. Darunter Weltfirmen wie Ford in Köln oder Mercedes-Benz in Düsseldorf, aber auch kleinere spezialisierte Zulieferer abseits der Metropolen, die Bauteile liefern. So ist der Märkische Kreis laut dem Statistikunternehmen "Listenchampion" der NRW-Landkreis mit der höchsten Anzahl an Autozulieferern. Hier haben unter anderem Kostal, Kirchhoff und E. Winkemann ihren Sitz.

Ford-Fabrik in Köln: Produziert eher "für Europa"
Das Ford-Werk in Köln wäre von den Zöllen nach Einschätzungen der WDR-Wirtschaftsredaktion eher weniger betroffen. Die meisten der Modelle, die dort produziert werden, sind nicht für den US-Markt bestimmt. Das Werk im Kölner Norden hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf die Produktion von E-Autos konzentriert und preist etwa das neue Modell "Explorer" als ersten vollelektrischen Pkw an, den das Unternehmen "in Europa für Europa" entwickelt habe.
EU will "nicht klein beigeben"
Wie hoch die Einbußen für NRW-Betriebe letztendlich sind? Das wird die Zukunft zeigen. Offenbar denkt die EU aber konkret über Gegenmaßnahmen nach. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plädierte für "Stärke und Selbstbewusstsein" der EU. "Es kommt jetzt darauf an, dass die EU eine entschlossene Antwort auf die Zölle gibt - es muss klar sein, dass wir gegenüber den USA nicht klein beigeben werden", sagte er am Donnerstag. Gleichzeitig werde Deutschland Brüssel dabei unterstützen, mit den USA eine Lösung durch Verhandlungen zu finden, "die eine Zollspirale abwendet", fuhr Habeck fort. Die Präsidentin des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, forderte schnelle Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein Handelsabkommen.
Wie man mit dem "Dealmaker" Trump verhandeln sollte

Trump im Glauben lassen, er habe sich durchgesetzt
Wie ein solches Abkommen funktionieren könnte, weiß Jean-Claude Juncker. Ihm ist es als EU-Kommissionspräsident in Trumps erster Amtszeit gelungen, US-Zölle auf EU-Produkte zu verhindern. Trump sei ein "Dealmaker", der sich nicht mit komplizierten internationalen Verträgen auskennen würde, sagte Juncker im Februar dem SWR. Man müsse Trump in die Lage versetzen, dass er innenpolitisch behaupten könne, er "habe sich durchgesetzt".
So verweist Juncker auf Verhandlungen über den Import von Sojabohnen aus den USA in die EU, die 2018 stattfanden. Trump sei damals angetan von den Zusagen der EU gewesen, deutlich mehr US-Sojabohnen abzunehmen - offenbar aber ohne zu wissen, dass diese in Europa ohnehin kaum wachsen. Am Ende profitierten beide Seiten: Trump konnte gegenüber den US-Sojabauern betonen, er habe ihnen höhere Absätze verschafft. Und die EU konnte ihren steigenden Sojabedarf zu guten Konditionen decken.
Trump: USA sind "bester Freund" von EU und Kanada
Allerdings hat sich Trump in seiner zweiten Amtszeit bislang in vielen Bereichen radikaler und kompromissloser als in seiner ersten gezeigt. Vor allem in Bezug auf Staaten, mit denen die USA bislang wirtschaftlich eng verbunden war. So warnte er am Morgen er via "Truth Social" die EU und Kanada vor Gegenmaßnahmen, die der USA wirtschaftlich schaden könnten.
Sollte dies geschehen, würden noch viel höhere Zölle als die bislang geplanten erhoben werden. Die USA als "der beste Freund, den diese beiden Länder jemals gehabt hätten", müssten geschützt werden. In Trumps Weltsicht ist das offenbar die Art, wie man Freundschaften pflegt.
Unsere Quellen:
- Nachrichenagenturen dpa, AP, Reuters
- Automotiveland.NRW
- Statistisches Bundesamt
- Ford Köln
- SWR
- Truth Social-Account von Donald Trump