Längere Trocken- und Hitzeperioden nehmen auch in NRW zu - und damit auch die Waldbrandgefahr. Wie kann man durch Waldumbau Bränden vorbeugen und die Gefahr minimieren? Ein Gespräch mit Alexander Held, Forstwissenschaftler und Feuerökologe vom European Forest Institute in Bonn.
WDR: Sind die Brände derzeit Ausreißer oder ist die Gefahr in diesem Frühjahr sehr groß?

Forstwissenschaftler Alexander Held
Alexander Held: Wir beobachten typische Spätwinter-Frühjahrswetterlagen. Das heißt: Es ist sonnig und gleichzeitig alles noch braun und trocken. Es ist normal, dass es dann einen Höhepunkt der Feuerintensität gibt. Das Ganze kommt jetzt aber zusammen mit einer sehr stabilen Wetterlage, - mit dem Einfluss des Klimawandels auf den Wald. Das sehen wir in dieser Lage ganz deutlich.
WDR: Begünstigt der Zustand des Waldes die Brandgefahr?
Held: Der Zustand des Waldes ist ein entscheidender Faktor, wie gut Feuer entsteht und sich ausbreiten kann - und in welcher Intensität es brennt.
WDR: Welchen Anteil hat die Erwärmung des Klimas an der Waldbrandgefahr?
Held: Die Wetterbedingungen sind entscheidend, ob Biomasse bleibt oder umkippt und dann verfügbares Brennmaterial wird. Der Klimawandel sorgt dafür, dass wir diese Wetterlagen wie stabile Hochdruckgebiete haben oder Extreme wie Starkniederschläge und Stürme. Diese Bedingungen nehmen zu. Insofern verbessert der Klimawandel die Rahmenbedingungen für Feuer. Wir merken das in Gebieten wie NRW, wo Feuer früher eigentlich kein Thema war. Bedingt durch die veränderten Rahmenbedingungen wird es jetzt aber zum Thema.
WDR: Wie viel Prozent aller Waldbrände werden von Menschen verursacht?
Held: Wir sagen scherzhaft: Es gibt drei Gründe für Waldbrände, Männer, Frauen und Kinder. Weit über 90 Prozent sind menschlichen Ursprungs. Der große Auslöser ist also im Moment der Mensch. Wir sehen aber auch, dass Trockengewitter zunehmen und die Blitzschlagintensität zunimmt. Da verändert sich was.
WDR: Was sollten die Menschen beachten?

Feuerwehr löscht Waldbrand in Overath-Brombach am 04.04.2025
Held: Ich hoffe, dass Waldbesucher sich achtsam gegenüber dem Wald verhalten. Wenn man diese Achtsamkeit auf Feuer und Waldbrandverhütung ausweitet, dann sind wir einen ganz großen Schritt weiter. Also nicht rauchen und keine Feuer machen! Wenn Brände beobachtet werden, sofort 112 informieren, und möglichst genau beschreiben, wo der Brand beobachtet wurde.
WDR: Kann man einen Wald so gestalten, dass die Brandgefahr kleiner wird?
Held: Ein ganz klares Ja! Wir sehen in den Urwaldresten, die wir in Europa haben, dass diese Waldbestände erstaunlich gut durch den Klimawandel kommen. Wir sehen zudem, dass Forstbetriebe, die sehr nah an diesen Modellen des Naturwalds arbeiten, im Moment noch mit einem blauen Auge durch die extrem trockenen Jahre kommen. Das heißt, wenn ich das Waldinnenklima fördere - dadurch wird es kühler, windstiller, feuchter - ist Wald nicht so gut brennbar. Aber auch der naturnahe Wald wird brennen, wenn es acht Monate lang knochentrocken ist.
WDR: Wie weit sind wir denn in Bezug auf den Umbau der Wälder?
Held: Den Waldumbau hat sich jeder Waldbesitzer und jede Forstverwaltung auf die Fahnen geschrieben. Die Umsetzung des Waldbaus ist aber natürlich eine Generationenfrage. Wir haben sowohl positive als auch negative Beispiele: Wir haben in NRW wunderbares naturnahes Wirtschaften - Betriebe, die als lebendes Beispiel der Resilienz eines Waldes dienen können. Die Palette ist aber breit und abhängig von politischen Rahmenbedingungen und Standortbedingungen.
Das Interview führte Thomas Schaaf am 05.04.2025 für das WDR Morgenecho. Für die Online-Version wurde das Gespräch gekürzt und sprachlich angepasst.