Die Sprengung des 100 Meter hohen Kesselhauses ist erfolgreich verlaufen, der 125 Meter hohe Kühlturm fiel um 12:42 Uhr. Wir berichteten heute im WDR Fernsehen in einer Sondersendung: Lokalzeit extra ab 11.30 Uhr.
Gerrit Grunden sah dem Ereignis mit gemischten Gefühlen entgegen. "Wir freuen uns zwar, dass das Kraftwerk wegkommt. Aber ein bisschen Wehmut ist auch mit dabei." Grunden wohnt mit seiner Familie im Schatten des Kraftwerks, der Anblick gehört für ihn zum Alltag.
Sprengung des Kohlekraftwerks in Ibbenbüren | Kurzvideo
00:32 Min.. Verfügbar bis 06.04.2027.
Sperrgebiet eingerichtet

Familie Grunden hat ihr Haus verlassen
Familie Grunden gehört zu den 130 Anwohnern, die am Sonntag ihr Haus wegen der Sprengung verlassen mussten. Auch eine Flüchtlingsunterkunft mit dreihundert Bewohnern in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk wurde geräumt, außerdem eine Polizeistation.

Die NRW-Minister Karl-Josef Laumann und Oliver Krischer mit dem Bürgermeister von Ibbenbüren, Marc Schrameyer (li., 2.v.re., re.)
Stadt und Abbruchfirma haben ein Sperrgebiet eingerichtet. Niemand soll zu Schaden kommen, wenn das Kraftwerk fällt. Geladene Gäste, wie beispielsweise Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen), sind in einem Festzelt außerhalb des abgesperrten Geländes mit gutem Blick aufs Kraftwerk untergebracht.
Ibbenbüren vor dem großen Knall: Kohlekraftwerk wird gesprengt
02:35 Min.. Verfügbar bis 06.04.2027.
Landmarke verschwindet

Das Kraftwerk: Landmarke für eine ganze Region
Das Kohlekraftwerk Ibbenbüren war vierzig Jahre lang im Tecklenburger Land eine Landmarke. Es steht hoch oben auf dem bis 170 Meter hohen Schafberg. Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein sind von Weitem sichtbar. Doch das Kraftwerk hat ausgedient. Im Zusammenhang mit der Energiewende in Deutschland wurde es im Jahr 2021 vorzeitig stillgelegt. Bereits drei Jahre zuvor endete der Betrieb auf der benachbarten Zeche.
Sprengung akribisch vorbereitet

Bagger der Abbruchfirma vor dem Kraftwerk
Die Abbruchfirma hat Sprengung und Abriss über Monate akribisch vorbereitet. Sie hat mehrere Probe- und Lockerungssprengungen durchgeführt. Die zunächst für Anfang März geplante Sprengung wurde um vier Wochen verschoben. Aus Sicherheitsgründen, wie die Firma mitteilte.
Denn in Ibbenbüren soll es nicht so laufen wie Ende März am Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg. Bei der Sprengung dort war eins von zwei Kesselhäusern ungeplant stehen geblieben. Das Ibbenbürener Kraftwerk sei nicht von Pappe, meint der Chef der Abbruchfirma Thomas Hagedorn.
500 Kilogramm Sprengstoff

Das Kraftwerk mit Kesselhaus und Kühlturm
Am 100 Meter hohen Kesselhaus kommen 500 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz. Schon seit Freitag ist das Kraftwerksgelände komplett gesperrt. Nur noch der Sprengmeister und seine Mitarbeiter sind vor Ort. Sie bringen die Ladungen an und passen bis zur Sprengung am Sonntag auf, dass mit Sprengstoff und Zünder nichts passiert. Dabei werden sie von einem Sicherheitsdienst unterstützt.
Auch der 125 Meter hohe Kühlturm des Kraftwerks wird am Sonntag fallen. Weil der allerdings auf asbesthaltigen Stützen steht, soll er nicht gesprengt werden. Stattdessen wird um den Turm herum ein acht Zentimeter starkes Stahlseil gelegt, wie ein Gürtel. Und dieses Seil wird dann von schweren Maschinen zusammengezogen. Zentimeter für Zentimeter, bis der Kühlturm in sich zusammenfällt.
Ende von Ibbenbürens Bergbaugeschichte
Der Rückbau des Kohlekraftwerks ist ein weiteres Kapitel in der Abwicklung des Bergbaus in Ibbenbüren. Auf dem Gelände soll schon bald ein Konverter für Windstrom von der Nordsee gebaut werden. Damit bleibt Ibbenbüren Standort für Energieerzeugung, nur in Zukunft grün und klimafreundlich.
Quelle:
- WDR-Reporter vor Ort
- Hagedorn Unternehmensgruppe
- Stadt Ibbenbüren