Wehrpflicht für Frauen: Argumente dafür und dagegen

Stand: 04.04.2025, 15:00 Uhr

Ein neuer Wehr- und Zivildienst für Männer - und Frauen. So befürwortet es fast die Hälfte der Befragten im aktuellen ARD-DeutschlandTrend. Welche Argumente sprechen dafür, welche dagegen? Eine Sammlung.

Die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht geht weiter. Laut aktuellem ARD-DeutschlandTrend sprechen sich 27 Prozent der Befragten für eine Wiedereinführung der alten Regelung aus. Danach würden nur Männer verpflichtet. 45 Prozent wollen einen Wehr- und Zivildienst, der sowohl für Männer als auch für Frauen gilt. 22 Prozent befürworten die weitere Aussetzung.

Sollten künftig auch Frauen zum Wehr- bzw. Zivildienst verpflichtet werden? Wir haben Pro- und Contra-Argumente gesammelt:

WDR 2: Pro und Contra Wehrpflicht WDR Studios NRW 04.04.2025 02:16 Min. Verfügbar bis 04.04.2027 WDR Online

PRO

Männer und Frauen sind in Deutschland gleichberechtigt. So steht es in Artikel 3 des Grundgesetzes. Wenn man dann allerdings zu Artikel 12a weiterblättert, in dem die Wehrpflicht geregelt wird, ist dort nur von Männern die Rede. Ein Widerspruch, finden offenbar viele. WDR-Moderator Sebastian Moritz etwa ist der Meinung: "Eine Wehrpflicht muss natürlich für alle Geschlechter gelten."

Was hat Wehrpflicht mit Gleichberechtigung zu tun? | Bildquelle: Jens Krick/ WDR / picture alliance / Flashpic

Für Doris Akrap von der "tageszeitung" ist die Wehrpflicht nur für Männer eine Form der Diskriminierung. Ihr Argument: "Wenn das Verteidigungsministerium Frauen und andere Nichtmänner nur so halb ernst nimmt, wenn es um Wehrtüchtigkeit geht – zementiert sich damit nicht auch der gesellschaftliche Blick auf Frauen, die nur so halb ernst genommen werden in Fragen, bei denen es ums Ganze geht?"

Die Anforderungen beim Militär haben sich geändert. Kraft und Körperlichkeit spielten in Zeiten der modernen Kriegsführung, die oft technisiert und virtuell stattfindet, keine so große Rolle mehr wie früher, sagt Sebastian Moritz. Er erhofft sich durch Frauen bei der Bundeswehr zudem "bessere Stimmung" in der Truppe. Maja Apelt, Professorin für Organisations- und Verwaltungssoziologie an der Universität Potsdam, traut Frauen beim Militär ein höheres Interesse im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung zu. Frauen hätten einen differenzierten Blick, "etwa auf die Probleme und Gefahren für die Zivilbevölkerung" bei einem kriegerischen Konflikt, sagte sie dem WDR.

Manche andere Länder in Europa haben schon die Wehrpflicht für Frauen. So besteht diese in Schweden seit 2017. Dänemark hat unlängst ein Gesetzesvorhaben vorgezogen und will die Wehrpflicht für Frauen ab 2026 einführen. Auch in Norwegen müssen Frauen zum Wehrdienst antreten.

CONTRA

Von faktischer Gleichberechtigung sind Frauen in Deutschland in vielen Bereichen immer noch weit entfernt. Kathrin Groh, Professorin für Öffentliches Recht an der Münchener Bundeswehr-Universität, findet es daher "absurd, dass die letzte große Erzählung der Gleichstellung der Geschlechter ausgerechnet am Beispiel der Wehrpflicht" erfolge. Auch WDR-Autorin Sophia Voß hält Gleichberechtigung für kaum mehr als ein "nettes Konzept". Bevor Frauen zur Bundeswehr verpflichtet würden, "sollte erst einmal alles andere klappen".

Unbezahlte Care-Arbeit wird meist von Frauen gemacht | Bildquelle: Marcel Kusch/ WDR/ dpa

Weibliche Erwerbsbiografien werden noch holpriger. "Frauen sind in unserer Gesellschaft strukturell benachteiligt", sagt Kathrin Groh und verweist auf den Gender Pay Gap und die unbezahlte Care-Arbeit, die Frauen leisteten: "Frauen starten zu schlechteren Konditionen mit weniger Gehalt in den Beruf, kriegen Kinder, gehen in Teilzeit, werden bei Beförderungen übergangen und bekommen am Ende weniger Rente." Diese Probleme würden vergrößert, wenn man Frauen in einer entscheidenden Lebensphase auch noch eine Wehrpflicht auferlegte, so Groh. "Der Staat fördere so nicht die faktische Gleichberechtigung von Männern und Frauen, sondern vertieft die Gräben noch weiter." Soziologin Apelt weist auf die "Einschränkungen und Belastungen im Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie" hin, von denen Frauen beim Militär besonders betroffen seien.

Die Diskussion um die Wehrpflicht für Frauen ist sehr theoretisch. Denn um diese umzusetzen, müsste das Grundgesetz geändert werden. Angesichts der aktuellen Besetzung des Bundestags und der Positionen der darin vertretenen Parteien ist das aber derzeit äußerst unwahrscheinlich.

Stimmen zur Wehrpflicht - auch für Frauen WDR Studios NRW 04.04.2025 02:54 Min. Verfügbar bis 04.04.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP
  • tageszeitung
  • ARD-DeutschlandTrend vom 03.04.2025
  • WDR-Interview mit Kathrin Groh
  • WDR-Interview mit Maja Apelt