
Betroffene und Erzbistum stellen Entwürfe für Missbrauch-Mahnmal vor
Stand: 03.04.2025, 18:05 Uhr
Im Erzbistum Paderborn wurden am Donnerstag die Entwürfe für ein Mahnmal zum Missbrauch vorgestellt. Damit wollen Betroffene und Bistum ein Zeichen gegen Vertuschung setzen und für die Aufarbeitung. Doch nicht alle finden, dass ein Mahnmal dabei helfen kann.
Von Rahel Schuchardt
Reinhold Harnisch läuft langsam durch die Ausstellung im Foyer des Diözesanmuseums in Paderborn. Seit über zwei Jahren hat er als Vorsitzender der Betroffenenvertretung mit weiteren Betroffenen und Vertretern des Erzbistums die Ausschreibung für ein Mahnmal zum Thema Missbrauch vorbereitet.

Reinhold Harnisch hat die Entstehung eines Mahnmals mit angestoßen
"Bevor die Künstler angefangen haben zu arbeiten, haben wir sie einzeln eingeladen und mit ihnen über unsere Erfahrungen gesprochen. Das war für viele sehr eindrücklich, die vorher noch nicht mit dem Thema sexueller Missbrauch in Berührung gekommen sind", schildert Reinhold Harnisch.
Acht Ideen mit einem Gedanken
Diese Eindrücke spiegeln sich in den Ideen wider: Skulpturen, die Leid, Schuld und Vergebung symbolisieren oder auch Sternenhimmel aus Edelstahlplaketten, auf die Namen von Missbrauchsopfern eingraviert sind. "Das Mahnmal soll zeigen: Die Aufarbeitung des Missbrauchs im Erzbistum ist noch nicht abgeschlossen. Und es soll eine Brücke schlagen in die Gesellschaft, die sich so mit dem Thema auseinandersetzen können.“
Siegerentwurf von Künstler aus München überzeugt
Genau deshalb hat sich die Jury für den Entwurf von Christoph Brech aus München entschieden. Für ihn war die Arbeit an dem Kunstwerk besonders intensiv: Dreimal hat er einen Entwurf erstellt, und ihn dann wieder verworfen.
"Das war wirklich besonders – mit den Betroffenen ins Gespräch zu gehen und sie zu fragen: Würdet ihr mir von euren Erfahrungen erzählen, mir Bilder aus der Kunsttherapie zur Verfügung stellen, die hier miteinfließen können? So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählt der Künstler aus München.
Für das Mahnmal hat er eine Art Memory-Tisch entworfen, mit 25 Holzkarten, die man bewegen kann. Schiebt man die Karten zur Seite, bringen sie Texte und Bilder von Betroffenen sprichwörtlich ans Licht.

Künstler Christoph Brechs Memory-Tisch
Künstler Christoph Brech aus München hat einen Memory-Tisch erarbeitet: Er soll dazu einladen, sich mit den Perspektiven der Betroffenen zu beschäftigen.
Kritik am Mahnmal als "Trostpreis“
Doch nicht alle Betroffenen sehen das Mahnmal als Schritt in die richtige Richtung: Betroffener Michael Schoppe sieht die Aktion als eine Art "church washing“, das die Kirche zwar gut aussehen lässt, den Betroffenen aber wenig hilft.
"Ich sehe natürlich die Idee eines Mahnmals, um an den Missbrauch zu erinnern. Doch mir als Betroffenem von sexuellem Missbrauch bringt es nichts. Ehrlich gesagt, spendet es mir nicht einmal Trost", betont Michael Schoppe.
Er würde sich vom Bistum mehr Anerkennung für Betroffene wünschen, und auch mehr finanzielle Kompensation. "Mich begleitet das Thema jeden Tag, es wird mich nie wieder loslassen. Wie mir ein Mahnmal dabei helfen soll, weiß ich nicht.“
Aufarbeitung im Bistum noch in vollem Gange
Das Mahnmal wird voraussichtlich ab Ende des Jahres in der Brigidenkappelle im Atrium des Paderborner Doms zu sehen sein. Die Missbrauchsstudie, die das Erzbistum 2019 in Auftrag gegeben hat, wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 veröffentlicht.
Vor ein paar Wochen hatten die federführenden Wissenschaftlerinnen ein Jahr Verzögerung angekündigt, da zusätzliche Quellen untersucht werden sollten.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Betroffenenvertretung des Erzbistums Paderborn
- Erzbistum Paderborn