Siegen-Wittgenstein ist größtes Funkloch in NRW
Lokalzeit Südwestfalen. 23.05.2024. 03:17 Min.. Verfügbar bis 23.05.2026. WDR. Von Franz Altrogge.
Kaum Handy-Empfang in Siegen-Wittgenstein
Stand: 23.05.2024, 13:14 Uhr
Wer per Handy mit der Welt verbunden sein will, der hat es in Siegen-Wittgenstein und im Hochsauerland schwer: in den Wäldern und einigen Ortschaften herrscht Funkstille.
Von Franz Altrogge
"Im Haus gar keinen Empfang, vor der Haustüre auch nicht, und wenn ich mal einen dringenden Anruf habe, muss ich nach oben zur Terrasse", klagt Roland Jung, "Da geht’s dann aber auch nur 30 Sekunden lang, dann ist die Verbindung wieder weg.“ Eigentlich lebt er gern hier in Freudenberg-Dirlenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein, aber mit dem Handy geht nichts.

Roland Jung kann nur auf der Terasse telefonieren.
Roland Jung vermutet, die zweihundert Meter entfernte Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz sei mit ein Grund dafür. Dort seien Investitionen eben nicht lukrativ.
Mobilfunkmesswoche zeigt: Viele Funklöcher im Kreis Siegen-Wittgenstein
Wie schlecht es um den Empfang in Siegen-Wittgenstein bestellt ist, zeigen die ersten Ergebnisse der Mobilfunkmesswoche in NRW. Noch bis zum 25. Mai können Anwohner per Funkloch-App die Netzverfügbarkeit ihres Anbieters erfassen. In Siegen-Wittgenstein gib es in 7 Prozent des Stadtgebiets keinen Emfpang. Das zeigt sich auch im Osten des Hochsauerlandkreises.
Fünfsterne ohne Emfpang
Nahe der hessischen Landesgrenze ist es nicht besser: tief im Wald und wildromantisch liegt das Jagdhotel Glashütte. Geschäftsführer Edmund Dornhöfer schildert eine Szene, die sich immer widerholt, schräg gegenüber gibt es einen kleinen Fleck mit Signalen. "Dann gehen die mit ihrem Handy und laufen über die Straße, das sieht dann ganz nett aus und dann sind sie an der Stelle und dann schreien alle ‚hallo, jetzt habe ich ein Netz!“
Es ist nicht so, dass sich Besucher über diese Art der digital-Entspannung freuen. In den Internet-Foren wird das negativ bewertet und einige Gäste kommen erst gar nicht. Internet kommt hier über Festnetz und WLAN aber das reicht nicht.
Zukunft des Mobilfunknetzes ungewiss
Jeder dieser Orte hatte bereits die Hoffnung, ein neuer Mast werde gebaut. Entweder war es dann tatsächlich nur ein Gerücht, oder direkte Anwohner der geplanten Sendeanlage hatten sich gewehrt, oder aber die Anbieter lassen sich einfach deutlich mehr Zeit als angekündigt. Jeweils über 60 zusätzliche Funkästen im Kreis Siegen-Wittgenstein sollen Telekom und Vodafon angekündigt haben. Oft halten sie ihre selbstgesetzten Fristen nicht. Der Sendemast in Netphen sollte im Januar aufgerüstet werden, passiert sei das bis heute nicht.
Gefahren in den Wäldern
Wer den Wald genießt oder darin arbeitet, braucht einen Extra-Schutzengel. Unfälle mit schweren Maschinen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und unglückliche Insektenstiche werden lebensgefährlich, wenn Hilfe erst gar nicht geholt werden kann. Auch danach muss der Unfallort noch gefunden werden, ohne die Hilfe von Online-Karten.
Forstunternehmer Norbert Wegener schildert den Unfall eines Waldarbeiters: "Da hat sich einer ein Bein gebrochen im Unterhang und der, der bei ihm war musste erst den ganzen Berg hochlaufen, dann ins Auto und musste erst Richtung Brilon fahren, bis er mal telefonieren konnte.“ Inzwischen schickt Wegener nur noch 3er-Teams in den Wald. Das kosten ihn mehr, aber so kann im Notfall immer einer bei einem Verletzten bleiben.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Land NRW
Über dieses Thema berichtet der WDR in der Lokalzeit Südwestfalen am 23.05.24 im Fernsehen.