Die Sprengung des 100 Meter hohen Kesselhauses ist erfolgreich verlaufen, der 125 Meter hohe Kühlturm fiel um 12:42 Uhr. Gerrit Grunden sah dem Ereignis mit gemischten Gefühlen entgegen. "Wir freuen uns zwar, dass das Kraftwerk wegkommt. Aber ein bisschen Wehmut ist auch mit dabei." Grunden wohnte mit seiner Familie im Schatten des Kraftwerks, der Anblick gehörte für ihn zum Alltag.
Familie Grunden gehörte zu den 130 Anwohnern, die am Sonntag ihr Haus wegen der Sprengung verlassen mussten. Auch eine Flüchtlingsunterkunft mit dreihundert Bewohnern in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk und eine Polizeistation wurden geräumt.
Sperrgebiet eingerichtet
Stadt und Abbruchfirma hatten ein Sperrgebiet mit einem Radius von bis 500 Metern eingerichtet. Niemand sollte zu Schaden kommen, wenn das Kraftwerk fällt. Geladene Gäste, wie beispielsweise Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen), waren in einem Festzelt außerhalb des abgesperrten Geländes, aber mit guter Aussicht aufs Kraftwerk untergebracht.
Lokalzeit extra: Kraftwerksprengung in Ibbenbüren. Lokalzeit. 06.04.2025. 01:13:59 Std.. UT. Verfügbar bis 06.04.2027. WDR.
Landmarke verschwindet
Das Kohlekraftwerk Ibbenbüren war vierzig Jahre lang im Tecklenburger Land eine Landmarke. Es stand hoch oben auf dem rund 170 Meter hohen Schafberg. Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein waren von Weitem sichtbar. Doch das Kraftwerk hatte ausgedient. Im Zusammenhang mit der Energiewende in Deutschland wurde es im Jahr 2021 vorzeitig stillgelegt. Bereits drei Jahre zuvor endete der Betrieb auf der benachbarten Zeche.
Sprengung akribisch vorbereitet
Die Abbruchfirma hatte Sprengung und Abriss über Monate akribisch vorbereitet. Sie hatte mehrere Probe- und Lockerungssprengungen durchgeführt. Die zunächst für Anfang März geplante Sprengung wurde um vier Wochen verschoben. Aus Sicherheitsgründen, wie die Firma mitteilte.
Denn in Ibbenbüren sollte es nicht so laufen wie Ende März am Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg. Bei der Sprengung dort war eins von zwei Kesselhäusern ungeplant stehen geblieben. Das Ibbenbürener Kraftwerk sei nicht von Pappe, meint der Chef der Abbruchfirma Thomas Hagedorn.
500 Kilogramm Sprengstoff
Am 100 Meter hohen Kesselhaus kamen 500 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz. Schon seit Freitag war das Kraftwerksgelände komplett gesperrt. Nur noch der Sprengmeister und seine Mitarbeiter waren vor Ort. Sie brachten die Ladungen an und passten bis zur Sprengung am Sonntag auf, dass mit Sprengstoff und Zünder nichts passierte. Dabei wurden sie von einem Sicherheitsdienst unterstützt.
Auch der 125 Meter hohe Kühlturm des Kraftwerks war am Sonntag gefallen. Weil der allerdings auf asbesthaltigen Stützen stand, sollte er nicht gesprengt werden. Stattdessen wurde um den Turm herum ein acht Zentimeter starkes Stahlseil gelegt, wie ein Gürtel. Und dieses Seil wurde dann von schweren Maschinen zusammengezogen. Zentimeter für Zentimeter, bis der Kühlturm in sich zusammenfiel.
Ende von Ibbenbürens Bergbaugeschichte
Der Rückbau des Kohlekraftwerks ist ein weiteres Kapitel in der Abwicklung des Bergbaus in Ibbenbüren. Auf dem Gelände soll schon bald ein Konverter für Windstrom von der Nordsee gebaut werden. 97 Prozent des Materials, das abgerissen wurde, soll für das Fundement benutzt werden. Damit bleibt Ibbenbüren Standort für Energieerzeugung, nur in Zukunft grün und klimafreundlich und es beginnt eine neue Geschichte mit moderner Energie.
Im Oktober soll dann noch der 275 Meter hohe Schornstein fallen.
Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Hagedorn Unternehmensgruppe
- Stadt Ibbenbüren