Skateboard-Legende und früher "pubertierender Rotzlöffel" Titus Dittmann wird Ende Mai in die “Skateboarding Hall of Fame” aufgenommen - und damit als erster Europäer in der Kategorie Icons.
In den vergangenen Jahrzehnten hat der Münsteraner die Skateboard-Szene international geprägt, mit seiner rebellierenden Philosophie. Bereits in der Schulzeit hat er gemerkt, dass er mit dem System nicht klarkommt. Immer wieder sagten die Lehrer, dass aus ihm nichts werden würde. Dennoch studierte er Lehramt und gründete als junger Lehrer eine Skateboard-AG.
Lehrauftrag und Skateboard-AG
Die Boards für die Schüler schmuggelte er damals in seiner Kleidung aus Amerika. Als die Begeisterung für das Skaten immer größer wurde, beendete er seine Lehrer-Karriere. Dann organisierte er die Münster Monster Mastership - eines der bedeutendsten Skateboard Turniere. Er gründete mit seiner Frau den Kleidungs- und Skateboardzubehörladen "Titus".
Seit 2010 fördert er mit der Initiative "skate-aid international e.V." weltweit Kinder- und Jugendprojekte, die durch Skateboard-Training Entwicklungshilfe leisten. Neben einem Lehrauftrag an der Universität Münster folgte noch das Forschungs-Projekt "Skaten statt Ritalin".
WDR: Die Auszeichnung ist ja nicht nur in irgendeiner Kategorie, sondern Sie kommen in die Kategorie der Icons. Sie haben in Ihrem Leben schon viele Dinge bewegt, was hat sie in die Kategorie der Ikonen katapultiert?
Titus Dittmann: Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, was ich bewirke. Ich habe einfach gemacht. Im ganzen Leben habe ich mir keine Pläne gemacht. Hätte ich damals gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich das aus Angst bestimmt nicht gemacht.
Icon bedeutet für mich, dass man für etwas verantwortlich ist und etwas nach vorne treibt - nicht nur als Einzelperson. Dass man als Ikone ein Team oder eine ganze Generation beeinflusst. Man könnte sogar von gesellschaftlichem Wandel sprechen.
Ich bin jetzt 76 und die pubertierenden Rotzlöffel von damals sind heutzutage mindestens 50. Die schreiben mir oft Nachrichten oder rufen mich an. Dadurch merke ich jetzt erst, wie wichtig das Skaten früher für die Jugendkultur war. Sie haben Leistungsfähigkeit, Fokus und Biss gelernt. Aus deren Augen hat sie das positiver beeinflusst als jede Schule.
WDR: Das ist nicht ihr erster Preis. Im November 2010 wurde Ihre Initiative "skate-aid" mit dem Laureus Medien Preis ausgezeichnet. Sie haben das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen. Hat diese Auszeichnung eine andere Bedeutung für Sie?
Titus Dittmann: Der Preis ist für mich persönlich schon extrem wichtig. Ich habe mich über alle Preise, die ich bisher bekommen habe, gefreut. Der Unterschied ist, dass die anderen Preise vom "Establishment" verliehen wurde. Ich bin aber ein Typ, der nie mit der Elite zurechtkam. Das war für mich dann eher eine Genugtuung. Die Lehrer haben früher immer gesagt, wenn ihr nichts im Leben werden wollt, werdet wie Titus. Mit den Preisen habe ich es denen etwas gezeigt.
"Aber diese Auszeichnung als Ikone hat für mich eine private Bedeutung. Hier zeichnet mich die Szene aus. Eine Szene, für die ich viel gemacht habe. Es ist schön, dass ich da weiterhin ein Teil bin." Titus Dittmann, Skateboard-Ikone
WDR: Jetzt hatten Sie, beziehungsweise ihr Sohn, die letzten Wochen eine schwierige Zeit. Zwar sind sie nicht mehr geschäftsführend bei der Kleidungsmarke Titus, aber die Insolvenz hat Sie bestimmt trotzdem betroffen. Hat der Preis die Phase etwas erträglicher gemacht?
Titus Dittmann: Das ist tatsächlich eine glückliche Fügung, besser könnte es nicht laufen. Es wurde die vergangenen Monate nicht immer seriös von den Medien über die Geschichte von meinem Sohn gesprochen. Da wurde sehr emotional berichtet. Nach dem Motto "Titus läuft gegen die Wand". Da wurde auch oft mein Portrait für die Artikel verwendet, obwohl ich gar nicht mehr Geschäftsführer bin.
Aber mein Sohn schafft das schon. Es ist ja auch keine auferlegte Insolvenz, sondern eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Trotzdem waren die letzten Wochen anstrengend. Dann kommt so eine Aufnahme in der Hall of Fame genau im richtigen Moment. Die Negativ-Nachricht mit der Insolvenz spielt jetzt gar keine Rolle. Das ist doch auch nur Geld…
WDR: Der Preis ist somit ein Höhepunkt ihrer Karriere. Haben Sie noch Pläne für die Zukunft?
Titus Dittmann: Ja, klar! Wenn ich keine Pläne hätte, wäre das Leben vorbei. Wichtiger als der Sport ist mir der pädagogische Fokus. Ich habe seit einigen Jahren ein Forschungsprojekt mit der Universität Münster namens "Skaten statt Ritalin". Was übrigens nicht heißt, dass wir gegen Ritalin sind. Der Titel sollte einfach nur etwas provokant sein.
Sieben Jahre haben wir geforscht und unsere Ergebnisse zeigen, dass durch das Skaten ADHS-Symptome gelindert werden können. Deswegen ist mein Hauptziel, dass in ein paar Jahren Ärzte einen "Skaten statt Ritalin"-Kurs verschreiben können. Genauso wie Delphin- oder Reittherapie akzeptiert ist, sollte es auch bald Skaten als Therapie geben.
Unsere Quellen:
- Interview mit Titus Dittmann