Es ist ein milder Frühsommertag, Sonntagnachmittag. Vor dem Bochumer Café "Fräulein Coffea" in der Nähe des Schauspielhauses sitzen Gäste entspannt an den Tischen im Außenbereich, als wie aus dem Nichts der Angriff geschieht. Um 15.25 Uhr schüttet plötzlich ein Mann aus einer Getränkedose Schwefelsäure in Richtung eines Gastes.
Der 30-jährige Student wird im Gesicht getroffen, an der Schulter, im Nacken, er erleidet schwere Verätzungen. Auch andere Gäste bekommen Spritzer ab und werden dadurch verletzt, selbst Polizeibeamte, die kurz darauf am Tatort eintreffen und mit Resten der Flüssigkeit in Berührung kommen, erleiden schmerzhafte Verätzungen.
Verdächtiger hat sich das Leben genommen
Der mutmaßliche Angreifer läuft weg, Passanten können ihn aber aufhalten, er wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Während die Ermittlungen noch laufen, nimmt sich der 43-Jährige aus Bergkamen im Gefängnis das Leben.
Vor Gericht kommt jetzt ein 37-jähriger Bekannter des Tatverdächtigen. Er soll den Angreifer mit dem Auto nach Bochum zum Tatort gefahren haben, wohl wissend, dass ein Säureangriff geplant war. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, dass er vorher im Internet danach gesucht habe, wie man an Säure kommen kann.
Angeklagt ist er wegen Beihilfe zum versuchten Mord, zur schweren und zur gefährlichen Körperverletzung.
Racheakt der Bandidos?
Die Hintergründe des Angriffs waren lange Zeit unklar. Inzwischen sind die Ermittler aber sicher: Es handelte sich um den Racheakt einer Rockergruppe. Und: Der schwer verletzte 30-jährige Gast war ein Zufallsopfer, der Täter soll ihn verwechselt haben.
Offenbar wollte der Angreifer Mitglied der Bandidos werden und soll deshalb den Auftrag angenommen haben, ein Attentat auf den Betreiber des Cafés zu verüben. Irrtümlich soll er stattdessen den Gast angegriffen haben.
Prozess um Säurenangriff in Bochum beginnt. WDR Studios NRW. 26.02.2025. 00:42 Min.. Verfügbar bis 26.02.2027. WDR Online.
Bleibende Narben
Der inzwischen 31-jährige Verletzte ist inzwischen mehrfach operiert worden. Laut Anklage muss er auch bei vollständiger Wundheilung mit bleibenden Narben rechnen. Vor Gericht tritt er als Nebenkläger auf.
Auch weniger schwer verletzte Opfer haben sich dem Prozess als Nebenklägerinnen angeschlossen. Das Bochumer Landgericht hat sechs Verhandlungstage bis Ende März geplant.
Unsere Quellen:
- Polizei Bochum
- Landgericht Bochum
- Reporter vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 26.02.2025 auch im Radio auf WDR2.