Live hören
WDR 5 Literatur live mit Bärbel Schäfer
Potosi / Bolivien / Silberbergwerk / Bertius

Im April 1545: Gründung der Silberstadt Potosí in Bolivien

Sie wirkt fast vergessen, doch einst ist sie das wirtschaftliche Zentrum des spanischen Weltreichs. Dank Potosí wird von Bolivien aus die Welt versilbert.


In diesem Zeitzeichen erzählt XXX:

  • warum Potosí im 16. Jahrhundert zu einer der reichsten Städte der Welt wird,
  • wie das dort geförderte Silber die europäische Wirtschaft und den globalen Handel verändert,
  • welche Spuren die jahrhundertelange Ausbeutung bis heute hinterlässt,
  • und warum Zeitgenossen Potosí einen „Höllenschlund, der Indios zu Tausenden verschlingt“ nennen.

Die Luft ist dünn in Potosí – mit 4090 Metern die höchstgelegene Großstadt der Erde. 1545 gründen die spanischen Kolonialherren die Stadt auf der Hochebene am Fuß des Cerro Rico, des „Reichen Berges“, in dem sie die größten Silbervorkommen der Welt entdecken. Binnen weniger Jahrzehnte wächst Potosí zu einer Metropole mit 150.000 Einwohnern heran – vergleichbar mit dem damaligen London oder Paris.

Das Silber, das hier unter unmenschlichen Bedingungen von indigenen Zwangsarbeitern und afrikanischen Sklaven gefördert wird, fließt in die Schatzkammern Europas, finanziert Kriege und kurbelt die kapitalistische Wirtschaft an: Bis zu 200.000 Kilo Silber jährlich erreichen den Hafen von Sevilla. Doch der Reichtum ist für viele ein Fluch.

Das sind unsere wichtigsten InterviewpartnerInnen:

  • Prof. Karoline Noack, Universität Bonn, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie
  • Fabian Scheidler, Autor, Journalist und Historiker, Berlin

Und das sind unsere wichtigsten Quellen:

  • Fabian Scheidler: Das Ende der Megamaschine, Wien 2024.
  • Martin Bentz, Nikolai Grube und Patrick Zeidler (Hrsg.): Abhängig! Globalhistorische Perspektiven auf Ressourcen und Sklaverei, Dresden 2024.
  • Eduardo Galeano: Die offenen Adern Lateinamerikas - die Geschichte eines Kontinents, Wuppertal 2002.
  • Immanuel Wallerstein: Das moderne Weltsystem, Wien 2012.
  • Alice Creischer: Das Potosí-Prinzip: Wie können wir das Lied des Herrn im fremden Land singen? Koloniale Bildproduktion in der globalen Ökonomie, Köln 2010.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!


Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.


Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor:Thomas Pfaff
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Petra Laubach