Das Comeback der Getränkedose: Was Influencer damit zu tun haben

Stand: 29.03.2025, 06:00 Uhr

Softdrinks in Getränkedosen verkaufen sich so gut wie lange nicht mehr - vor allem bei jüngeren Menschen. Gefragt sind Energydrinks und alles, was Influencer auf den Markt bringen. Dabei verstecken sich oft hohe Literpreise hinter den handlichen Getränken.

Von Stefan Erdmann

Wenn Marvin Guszan etwa alle zwei Tage neue Ware in seine Automaten füllt, braucht er besonders in einem Segment viel Nachschub: bei den Getränkedosen. Guszan und sein Bruder betreiben unter anderem drei Automaten-Kioske in Kamen, Werl und Soest.

"Der absolute Dauerläufer ist die Energy-Dose. Die läuft wie verrückt, das ist der Haupt-Umsatzbringer." Marvin Guszan, betreibt drei Automaten-Kioske im östlichen Ruhrgebiet

Die Getränke in den Automaten sind zu gut 90 Prozent Dosen. Die seien leichter und handlicher, so Marvin Guszan. Außerdem machten beispielsweise Glasflaschen zu viel Dreck, wenn sie im oder vor dem Laden auf den Boden fallen und zerspringen. Und auch der Geschmack sei besser als aus der Plastikflasche.

Neben den praktischen Aspekten kaufen vor allem viele Jüngere die Dosen - meist wegen ihrer Vorbilder. Popstars wie Capital Bra oder Shirin David bewerben eigene Eistees, Influencer wie Knossi, iCrimax oder MontanaBlack haben Limos, Energydrinks oder Alkopops in knalligen Verpackungen und immer neuen Sorten.

Der Boom der Getränkedose WDR Studios NRW 28.03.2025 03:15 Min. Verfügbar bis 28.03.2027 WDR Online

Starker Einbruch durch Dosenpfand

Mit der Einführung des Pfands 2003 waren die Dosenverkäufe massiv eingebrochen. Seitdem steigen die Absätze wieder. Erst langsam, aber kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren folgte dann ein deutlicher Anstieg, besonders nochmal in den letzten fünf Jahren. Hauptgrund: Die Corona-Pandemie.

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Die Absatzzahlen haben sich seit der Pandemie mehr als verdoppelt. Viele junge Menschen haben die Zeit von Social Distancing auf Gaming-Plattformen verbracht - und dort eine emotionale Nähe zu den entsprechenden Influencern aufgebaut.

Literpreis oft massiv teurer

Naheliegend, dass man sich dann seinen Star zumindest in Form von flippig bedruckten Getränkedosen nach Hause holen will. Zwar taschengeldtauglich, aber keinesfalls günstig.

Denn im Vergleich zu anderen Verpackungen ist der hochgerechnete Literpreis bei Dosen massiv höher. Die Lebensmittel-Zeitung hat ausgerechnet: Bei Softdrinks aus der PET-Flasche liegt er bei 66 Cent, in Dosen bei über 3 Euro (3,01 Euro).

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Positives Erlebnis im Vordergrund

Die Kundschaft nimmt das in Kauf. Zum einen, weil der höhere Literpreis nicht direkt erkennbar ist. Zum anderen, weil besonders bei jüngeren Käufern ein positives Erlebnis im Vordergrund steht.

"Das Entscheidende ist die Coolness der Dose." Petra Ossendorf, Marktforschungsinstitut NielsenIQ

Petra Ossendorf vom Marktforschungsinstitut NielsenIQ beschreibt die Kaufmotivation der Jüngeren so: "Sich belohnen mit kleinen Dingen im Leben". Eher eine untergeordnete Rolle - und dann vor allem bei der Zielgruppe 45-60 Jahren - spielt ihr zufolge die Pflicht zu festen Deckeln an Flaschen.

Hersteller betonen hohe Recycling-Quote der Dose

Und ebenso die nicht unumstrittene Öko-Bilanz der Aluminiumdose. Ältere Erwachsene haben die Dose als "Umweltsünde" im kollektiven Gedächtnis. Doch die Hersteller loben die mittlerweile hohe Recycling-Quote durch das Pfand-System und die Wiederverwendbarkeit des Materials.

Besonders ganz junge Käufer interessieren sich aber erst gar nicht für den Umweltgedanken, so die Einschätzung von NielsenIQ. Sie lassen sich eher immer wieder vom erfolgreichen Influencer-Marketing in den Bann ziehen.

Weißer Pfirsich in pinker Dose

In ähnlich pinker Aufmachung könnte ein Energydrink der Geschmacksrichtung "Weißer Pfirsich" der nächste Hype werden. | Bildquelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Der nächste große Hype? Wohl ein Energydrink mit Geschmack "Weißer Pfirsich". "Die gibt's noch nirgendwo im Supermarkt, die sind heute bei den Großhändlern angekommen. Das wird vermutlich der nächste neue Renner werden", sagt Marvin Guszan. Vorbestellt hat er die pinken Dosen schon.

Unsere Quellen:

  • Datenerhebung des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ
  • Interview mit Petra Ossendorf, NielsenIQ
  • Interview mit Marvin Guszan, Automatenkiosk-Betreiber
  • Lebensmittel-Zeitung zu Softdrinks in Dosen
  • Statista-Daten zu Getränkedosen-Absatz