Kitaschließungen in Niederkassel Lokalzeit aus Bonn 19.02.2025 02:35 Min. Verfügbar bis 19.02.2027 WDR Von Uwe Fohrmann

Kitaschließungen in Niederkassel wegen Geburtenrückgangs

Stand: 20.02.2025, 19:38 Uhr

In Niederkassel machen gegen den regionalen Trend zwei Kitas zu, zusätzlich werden einzelne Gruppen gestrichen. Damit reagiert die Stadt auf den starken Geburtenrückgang. Viele Eltern müssen sich auf finanzielle und logistische Veränderungen einstellen.

Von Uwe Fohrmann

Janina Christ, Sabine Becker und Marina Antosch haben sich vor der Kita Wittelsbacher Straße im Niederkasseler Stadtteil Mondorf verabredet. Für die drei Mütter kommen die Maßnahmen der Stadt aus dem Nichts, völlig überraschend. Sie schmeißen die Zukunftspläne der drei Eltern völlig durcheinander. Ihre Erstgeborenen gehen alle hier in die Unter-Dreijährigen-Gruppe.

Eltern sind genervt und verunsichert

Unternehmensberaterin Sabine Becker wollte eigentlich ihren Sohn Aimo im nächsten Monat in diese Kita geben, wo schon Schwester Fiona ist. Jetzt kommt er in eine andere Einrichtung, aber das erst im nächsten Kita-Jahr, also erst in sechs Monaten. Weil sie jetzt erst später als geplant wieder in den Job einsteigt, werden der 37-Jährigen rund 12.000 Euro fehlen, schätzt sie. "Und eine weitere Kita bedeutet dann zwei Fahrwege, zweimal anziehen, unterschiedliche Öffnungszeiten, verschiedene Ausfallzeiten des Personals", sagt sie genervt.

Die zweifache Mutter Marina Antosch will einfach nur Planungssicherheit. Sie hat dem Bürgermeister im Namen mehrerer Eltern einen Beschwerdebrief geschrieben. Die Maschinenbauingenieurin und ihr Mann wollen sich bald Eigentum anschaffen. Dafür brauchen sie auch zwei Gehälter - und sie müssten auch wissen, wo sie ihren Sohn Joáo unterkriegen können, sagt Marina.

Weniger Geburten, weniger Kita-Plätze

Niederkassels Bürgermeister Matthias Großgarten argumentiert mit drastischen Geburtenrückgängen und damit mit Fakten. Die Zahl der Neugeborenen ist im vergangenen Jahr um knapp 34 Prozent gesunken, von rund 400 im Jahr 2023 auf 265.

Die Kita Wittelsbacher Straße in Niederkassel | Bildquelle: Uwe Forhmann

"Viele Eltern denken wegen der unsicheren wirtschaftlichen Zeiten vermutlich erst einmal nicht an Nachwuchs, sie haben zu Corona-Zeiten schon Kinder bekommen", glaubt der Bürgermeister. Die freiwerdenden Plätze hatte er schon in Köln und Troisdorf angeboten, aber da bestand kein Interesse.

Personal soll verteilt werden

Jetzt sollen die Kitas in der Lenaustraße und im Gabriele-Münter-Weg, beide im Stadtteil Lülsdorf, "ruhendgestellt" werden. Das bedeutet, dass die Gebäude erst einmal leer bleiben und das Personal auf andere Einrichtungen verteilt wird.

In der Kita Kopernikus und in der Kita Pappelweg fällt jeweils eine Gruppe für Unter-Dreijährige weg. Sogar zwei U3-Gruppen sind es in der Kita Wittelsbacher Straße. Hierhin wollte Janine Christ ihre zweite Tochter Amelie Anfang nächsten Jahres bringen, zu ihrer ersten Tochter Malina. Daraus wird jetzt nichts.

Ruhendgestellte Kitas könnten wieder öffnen

Falls die Geburten in den nächsten Jahren wieder steigen, will Bürgermeister Großgarten die ruhendgestellten Kitas wieder öffnen. Bis dahin müssen sich die Eltern wohl auf Veränderungen einstellen - finanziell und logistisch.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Eltern aus Niederkassel
  • Matthias Großgarten, Bürgermeister Niederkassel
  • Stadt Niederkassel