Steinau an der Straße
Am 11. April 1975 wurde in Steinau an der Straße die Deutsche Märchenstraße gegründet. Das Städtchen gilt als Geheimtipp und ist perfekt für Märchen-Fans, weil die Brüder Grimm in Steinau aufgewachsen sind. Das frühere Wohnhaus der Familie dient heute als Museum und kann besichtigt werden. Besucher begegnen im Inneren nicht nur ihren liebsten Märchengestalten, sondern erfahren auch viel über das bewegte Leben der Grimms.
Museum Brüder Grimm-Haus
Die Familie hat lange ein unstetes Leben geführt, musste wegen Geldsorgen oft umziehen, und nicht nur die beiden berühmten Brüder, Jakob und Wilhelm, waren kreative, tatkräftige Menschen. Sie waren es aber, die weltberühmt wurden, weil sie zuvor nur mündlich überlieferte Märchen und Sagen gesammelt und niedergeschrieben haben: insgesamt 240. Dabei wurden sie von rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt, darunter maßgeblich zwei Frauen: die Hugenottin Dorothea Viehmann, die ihnen zahlreiche Märchen erzählte. Und Jenny von Droste-Hülshoff, die Schwester der berühmten Annette. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Museums Gebrüder Grimm-Haus.
Normalos wohnen im Renaissanceschloss
Steinau an der Straße hat den Namenszusatz "An der Straße", weil es früher an einer wichtigen mittelalterlichen Handelsstraße lag: der Via Regia. Einst residierten hier die Grafen von Hanau, und ihr herrschaftliches Anwesen lässt erahnen, wie bedeutsam das Städtchen, das heute gerade einmal 10.000 Einwohner hat, früher einmal war. Heute gibt es in Schloss Steinau sechs Mietwohnungen – in denen ganz normale Menschen leben. Für die hohen Heizkosten entschädigt die Mieter das märchenhafte Ambiente des Renaissanceschlosses, das öffentlich zugänglich ist. Eine der Mieterinnen macht die Führungen auf dem Gelände.
Fachwerk, Märchenbrunnen und Wanderungen
Mit seinen Fachwerkhäusern, den kleinen Gassen und der waldreichen Umgebung ist das Städtchen im Spessart ein schönes Ziel für einen Tagesausflug oder ein Wochenende in den Osterferien.
Bad Wildungen an der Deutschen Märchenstraße
Bad Wildungen ist eine Kleinstadtperle, mit ganz viel Fachwerk. Das hessische Fachwerk gilt unter Kennern als besonders schön, darüber hinaus bietet das Städtchen Jugendstil-Prachtbauten, einen großen Kurpark und ein märchenhaftes Schloss, in dem Schneewittchen geboren sein soll.
War Margaretha von Waldeck Schneewittchen?
Obwohl es keine endgültige Bestätigung gibt, wird Margaretha von Waldeck oft als Inspiration für Schneewittchen angesehen. Die Fürstentochter galt als Schönheit und wurde in jungen Jahren mutmaßlich vergiftet, es gab auch eine Stiefmutter – und so ist die Geschichte entstanden, die der hessische Heimatforscher Eckhard Sander als Grundlage für Schneewittchen ansieht.
Schneewittchens Schlösser
Margaretha von Waldeck ist vermutlich 1533 im schmücken Barockschloss Friedrichstein in Alt-Wildungen geboren, wuchs dann im nahegelegenen Schloss Waldeck auf, das malerisch oberhalb des Edersees thront – beides lohnende Ausflugsziele – und deshalb vermarktet sich Bad Wildungen als "Schneewittchen-Stadt".
Sozialkritische Komponente des Märchens
Besucher erfahren in Bad Wildungen, dass die "sieben Zwerge" in Wahrheit Bergarbeiter, Kinder und kleinwüchsige Männer waren, die unter entsetzlichen Bedingungen in den umliegenden Bergwerken gearbeitet haben. Oft wurden sie bei der Arbeit unter Tage verkrüppelt oder hatten aufgrund der Dunkelheit und Enge Wachstumsstörungen. In Bergfreiheit, einem Stadtteil von Bad Wildungen, gibt es ein "Schneewittchenhaus", das von dem Märchen zwischen Dichtung und Wahrheit erzählt. Bad Wildungen ist allerdings auch abseits von Schneewittchen und den Zwergen märchenhaft, nicht zuletzt im Nationalpark Kellerwald-Edersee, der vor den Stadttoren liegt.
Autorin: Antje Zimmermann
Redaktion: Julia Lührs
Service Ausflug ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Freitag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.
Service Ausflug: 50 Jahre Deutsche Märchenstraße. WDR 5 Neugier genügt - Freifläche. 04.04.2025. 06:29 Min.. Verfügbar bis 04.04.2026. WDR 5.