Die Aufbauten für den Bagagewagen sind zwar aus Styropor, aber trotzdem müssen alle mit anfassen, um den riesigen Vogel auf der Holzkonstruktion, die Stefano Martino in den letzten Tagen gezimmert hat, zu befestigen. "Ein bisschen mehr rechts", ruft jemand etwas hektisch. Am letzten Wochenende vor dem Karnevalswochenende muss alles fertig werden, damit 32 Mitglieder der "Fötjesföhler" am Rosenmontag beim Solinger Zug mitgehen können.
Die Kostüme stehen – das Motto "Tropical" ist bis zum Ende durchdacht. Diesmal kommt erstmals ein Unimog zum Einsatz, damit alles schön stabil drauf montiert werden kann. Denn das war bisher das Hauptthema der Gruppe, die seit 10 Jahren im Zug dabei ist. Beim Stichwort "Sicherheit" dachte man immer an die Aufbauten, dass nichts herunterrutscht. Und an die Vorgaben der Stadt, dass jeder Reifen eines Fahrzeugs mit einem Menschen geschützt werden muss, der nebenher geht.
"Wir freuen uns wie immer“ – Keine Angst bei den Fötjesföhler
Diesmal wird beim Aufbau-Treff, wo laute Karnevalsmusik zu hören ist, auch über eine neue Dimension gesprochen. Nach dem Messer-Anschlag in Solingen, der jetzt ein knappes halbes Jahr ist, ist viel passiert in den letzten Tagen. Erst vergangenen Donnerstag hat der Ordnungsdezernent das finale "Go" für den Zug gegeben.
"Ich find es richtig, dass man im Moment besonders drauf guckt, aber es fühlt sich für uns nicht anders an", sagt Stefano. "Vielleicht ist es für uns aber auch anders, weil wir mitgehen und nicht an einem Punkt stehen, wo man zum Beispiel eine Zufahrt im Rücken hat." Sein Freund und Mitstreiter Götz Schwammekrug steht mit seiner Tochter daneben. Sorgen macht er sich nicht: "Ganz ehrlich: das Geld sollte nicht nur für die Sicherheit ausgegeben werden, mehr Sicherheit geht ja gar nicht. Dann kannste das Ganze ja nur noch mit namentlichen Anmeldungen machen."
So sieht das auch Stefanos Frau Gabi, die die kreative Seite der Gruppe vertritt. Alle Entwürfe für Kostüme und Deko sind ihr Bereich. "Nein, darüber wirklich nachgedacht, ob wir mitmachen, haben wir gar nicht. Im Endeffekt muss ja jeder selbst entscheiden, ob er weiterhin zu Veranstaltungen geht oder nicht." Sie räumt ein, dass ihre Schwägerin tatsächlich seit dem Anschlag auf dem Fronhof nicht mehr auf große Feste geht, sonst kenne sie aber niemanden.
Prinzenpaar: "Wir haben ein gutes Bauchgefühl – hoffentlich auch die Besucher"
Simone und ihr Freund Timo sitzen Montagvormittag in ihrer Küche. Noch drei Tage, bis die Session ihren Höhepunkt startet. Die beiden sind dieses Jahr das Prinzenpaar in Solingen, haben schon seit Wochen hunderte Veranstaltungen besucht.
Sie haben diese und nächste Woche Urlaub – sie wollen richtig genießen können. Denn sowas macht man ja nur einmal im Leben. "Wir dürfen uns das nicht kaputtmachen lassen. Deshalb gehen wir auch dieses Jahr mit einem guten Bauchgefühl zu Veranstaltungen und dem Zug." Dass die Zugwege jetzt nochmal besser gesichert werden, finden sie gut, machen sich aber nicht zu viele Gedanken darum. "Hoffentlich kommen trotzdem wieder viele Solinger zum Zug", hoffen sie. Für den Solinger Zugleiter ist das zusätzliche Geld und der Einsatz der Stadt für die Sicherheit nicht selbstverständlich.
Sicherheit als oberste Priorität
Genau das Gleiche denkt Henrik Schallert. Er ist zum ersten Mal Zugleiter am Rosenmontag. Vorher gab's nochmal ein Treffen mit allen Beteiligten. 1350 sind es dieses Jahr, fast doppelt so viele wie im letzten. Der Anschlag hat also in Solingen offenbar nicht zu besonderer Angst geführt.
Und: es gibt zusätzliches Geld für die Sicherheit, deshalb waren die letzten Tage nochmal anstrengend, sagt der Solinger. "Alles wurde nochmal abgeglichen und intensiviert, um den Besuchern größtmöglichen Schutz zu bieten. Das ist für uns keine Selbstverständlichkeit, dass die Behörden uns so unterstützen."
Eine größere Änderung gab es schon in der vergangenen Woche: die große Freiluft-Party nach dem Zug wurde vom Neumarkt auf den kleineren Mühlenplatz verlegt. "Hier ist es einfach überschaubarer, weniger Zufahrten", freut sich der Zugleiter. "Hier können wir dann am Montag auch unbeschwert feiern. Und das werden wir auch machen."
Unsere Quelle:
- Reporterin vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 26.02.2025 auch im Radio: beim Stadtgespräch auf WDR 5, 20 Uhr. Und im Fernsehen am 27.02.2025: WDR Lokalzeit Bergisches Land, 19:30 Uhr.